22 Okt 2009

Tipp: Geburts-Dokumentarfilm «In die Welt» (2008)

Gewiss ziemt es sich nicht, über ein Werk zu urteilen, das man nicht gesehen hat. Doch Vorbehalte gegenüber dem Dokumentar­film «Geburt» (CH 2009, von Silvia Haselbeck und Erich Langjahr) scheinen angebracht angesichts des Trailers, des Plakats und dessen, was vorgängig in den Medien berichtet wurde: Hier wird die Niederkunft am Beispiel zweier Hausgeburten zum «sinnlichen Naturereignis» verklärt, hintermalt mit sphärischen Beiklängen. Anstatt aber, vielleicht voreilig, weitere Fragezeichen zu setzen (die andernorts bereits formuliert wurden «Manchmal wirkt der Film wie das schön gemachte Fotoalbum einer Familie, mit den Geburtsbildern, welche die Kinder später wohlig schaudernd wieder angucken werden, die man aber als Aussen­stehender nicht unbedingt sehen möchte.» Sennhausers Filmblog), sei vielmehr auf eine in den Grundzügen verwandte, herausragende filmische Arbeit verwiesen.

Wer sich also mit der Thematik Schwangerschaft und Geburt auf alltagsnahe, nüchterne Art auseinandersetzen will, dem sei der mehrfach preisgekrönte Dokumentarfilm «In die Welt» (Österreich 2008, von Constantin Wulff) ans Herz gelegt.

Auf umsichtige, zurückhaltende und berührende Weise zeigt «In die Welt» Ausschnitte aus dem Betrieb der Gebärabteilung in einer Wiener Frauenklinik. Das Geschehen lässt sich jedoch in eine beliebige Stadt denken, zumal das Werk gänzlich ohne Erzähler, Einblendungen und andere Begleitmusik auskommt – und dabei ganz darauf vertraut, dass die Figuren und Bilder für sich sprechen: Vom Wunder des Lebens, vom Prozess des Gebärens, aber auch von der Fragilität der Situation angesichts möglicher Komplikationen.

Es ist der zurückhaltenden Kameraführung und dem sorgfältigem Schnitt zu verdanken, dass die «Beobachtungen und Mikrodramen des Krankenhausalltags» hin zu grösseren Themen leiten, «die weit über ein blosses Klinikporträt hinausreichen und sich zu einer Art Gesellschaftsbild rund um die Geburt fügen». Zitat aus der Synopsis im Xenix-Programmheft

Bedauerlicherweise hat es der aussergewöhnliche Dokfilm nicht ins reguläre Schweizer Kinoprogramm geschafft, er ist jedoch ab sofort auf DVD verfügbar (so z.B. bei Amazon).

Insbesondere, wer – wie ich – «In die Welt» deshalb schaut, weil die Geburt eines eigenen Kindes bevorsteht, wird den Film nicht mit trockenen Augen verlassen.

—  Dom Dada, 2949 Tage zuvor

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