18 Feb 2009 Kommentare: 1

Urheberrechtsverstösse bei Tamedia: Verhaltene Reue bezüglich Flickr-Bildern

UPDATE: Nun auch Bilderklau im gedruckten Tagesanzeiger Nachdem mein Bericht über die fortgesetzten Copyright­verletzungen bei Newsnetz für einigen Wirbel gesorgt hat, gibt es nun erstmals so etwas wie ein öffentliches Schuldeingeständnis von der Werdstrasse:

«Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer […] gibt zu, dass für einen Beitrag Bilder verwendet wurden, die der Autor auf Flickr gefunden hat. ‹Darauf haben sich zwei Fotografen beim Newsnetz gemeldet. Die Bilder wurden sofort entfernt und die Redaktion hat den Fotografen die beim Newsnetz übliche Entschädigung angeboten.›»
persönlich.com  (via fotointern.ch)

Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung – allerdings ist das zitierte Schrittchen noch gar zaghaft, wie nachfolgend erläutert werden soll. Zum einen erweckt die Stellungnahme den Eindruck, als ob es sich beim Flickr-Bildmissbrauch um einen Einzel­fall gehandelt hätte – dem ist mitnichten so.

Fortsetzung des Bildklaus mit anderen Mitteln

Zum anderen ist das Angebot der «beim Newsnetz üblichen Entschädigung» nur eine Fortsetzung des Bilderklaus mit anderen Mitteln: Sie beträgt gemäss Telefonat mit der Newsnetz-Redaktion vom 02.12.2008 läppische 30 Franken – gemäss den branchenweit anerkannten «Preisempfehlungen für Nutzungshonorare» der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für Bild-Agenturen und -Archive (SAB) liegt der Standardtarif für ein online verwendetes Bild aber bei CHF 100. Dazu kommt, dass Newsnetz die Bilder auf vier eigen­ständigen Websites verwertet, womit der Betrag entsprechend nach oben angepasst werden muss.

Ebenfalls in den SAB-Richtlinien ist zudem festgehalten, dass für die unberechtigte Reproduktion von Bildmaterial – zusätzlich zum genannten Honorar – ein Zuschlag von CHF 1000 fällig wird. Auch wenn diese Straftaxe auf den ersten Blick überzogen wirken mag, ist sie durchaus angemessen: Schliesslich werden nur die wenigsten Urheberrechts­missbräuche aufgedeckt, wodurch sie überhaupt abgegolten werden können.

Fazit: Wenn man im Supermarkt beim Klauen erwischt wird, reicht es nicht, nachträglich einfach die Ware gemäss den eigenen Preisvorstellungen zu bezahlen – und schon gar nicht, wenn dieser Betrag massiv unter dem Listenpreis liegt.

Einsicht und Verhaltensänderung?

Der finanzielle Aspekt ist aber nur die eine Seite der Medaille. Viel wichtiger erscheint den betroffenen Fotografen die Einsicht und die daraus resultierende Verhaltensänderung bezüglich Bilderklau bei Newsnetz. Dass aber – sogar im exemplarisch genannten Artikel – die nicht explizit beanstandeten Bilder noch immer online sind siehe offizielles Zitat weiter oben, resp. die Bilder 2, 6 und 8 und solche nur nach Reklamation entfernt und entschädigt werden sollen, ist bedenklich. Wie sollte der betroffene Fotograf denn einen Bildmissbrauch beanstanden können, von dem er nichts weiss, weil sich Newsnetz ungefragt bedient hat?

So sucht man denn auch im Statement des Tamedia-Sprechers vergeblich nach einer Entschuldigung, oder gar nach Hinweisen auf eine neue interne Richtlinie. Renommierte Medienhäuser veröffentlichen solche Dokumente als Richtschnur, an der sie gemessen werden wollen – wie etwa das Beispiel der New York Times Company Policy on Ethics in Journalism zeigt. Eine ähnliche Corporate Governance wäre auch bei Newsnetz/Tamedia vonnöten; mindestens aber die Befolgung des Schweizer Pressekodexes (via Ugugu) Der künftige Umgang mit Ressourcen aus dem Internet und allgemein mit der Thematik des Urheberrechtes wird zeigen, ob die verhaltene Reuebekundung ernst gemeint war – wir bleiben dran.

—  Dom Dada, 3137 Tage zuvor

Kommentare

  1. Der bei Newsnetz offenbar lockere Umgang mit dem Urheberrecht ist auch im Text-Content zu beobachten: Die mit dem Kürzel phz (Philipp Zweifel) gezeichnete Slideshow zu Sid Vicious ist mit Texten unterlegt, die sich wortwörtlich im Wikipedia-Eintrag zu Sid Vicious finden. Vielleicht stammen ja beide Texte vom selben Autor…

    —  wim   24.02.2009 12:33   #

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